Marroko-Projekt 2002

Der Kontakt unseres Jugendzentrums zur Oase Tidrheste und insbesondere zur Familie des Sheiks Ahmed Aramja besteht schon seit 1983, als wir dort während einer Jugendfreizeit eingeladen wurden und einige Tage die Gastfreundschaft der Familie genießen durften.
1987 erreichte uns ein Brief aus der Oase in dem wir um Hilfe gebeten wurden, da nach 9-jähriger Trockenzeit fast alle landwirtschaftlich nutzbaren Flächen verödet und alle Palmen erkrankt waren.
Zur Rettung der Oase, so hieß es in diesem Schreiben, sei eine leistungsstarke Dieselpumpe vonnöten, die Wasser aus einer Tiefe von 18 Metern fördern kann.
Wir haben nicht lange nachgedacht und angefangen in Deutschland Spenden zu sammeln, um unsere Freunde in der Oase Tidrheste zu unterstützen.
Im Sommer 1987 sind wir dann erneut in die Oase gefahren, um mit den Spendengeldern vor Ort einen Dieselmotor und die dazugehörige Pumpe zu kaufen.Seither fahren wir in der Regel alle zwei Jahre in die Oase, um unser Projekt zu betreuen, die Entwicklung zu verfolgen und neue Projekte mit befreundeten Jugendzentren in anderen Oasen der Region zu ermöglichen.
Die Oase Tidrheste liegt im Süden Marokkos am Fuß des Hohen Atlas im Sahararandbereich.
Gespräche mit deutschen Entwicklungshilfeinstituten haben uns belehrt, dass die langjährigen Trockenphasen in dieser Region kein Zufall sind.
Durch die überwiegende Monokultur im Norden und der Mitte Marokkos hat sich eine Klimaveränderung ergeben. Die Wolken, die früher über den Hohen Atlas gelangten, erreichen heute nicht mehr die notwendige Höhe und regnen bereits im Norden des Atlas ab.
Wir haben im Lauf der Jahre viel gelernt, Rückschläge erfahren und Erfolge gefeiert.
Das Hauptproblem ist und bleibt eine kontinuierliche Wasserversorgung der bebauten Landflächen. Dazu muss man wissen, dass ein Stück Land erst dann bestellt werden kann, wenn rundherum genügend Palmen gepflanzt wurden, die Schatten spenden.
Eine Palme muss mindestens 6 Jahre wachsen, um genügend Schatten für eine Landfläche zu geben.
An diesem Beispiel wird besonders deutlich, dass man in dieser Region anders und langfristiger denken und planen muss, als wir es uns vorstellen.
Auch ist der Grundwasserspiegel nicht in einer konstanten Tiefe anzufinden. Wir haben erlebt, dass der Wasserspiegel innerhalb eines Monats von 23 Meter Tiefe auf 4 Meter gesprungen ist. Dies ist abhängig vom Schneefall und Schmelzwasser in hohen Atlas.
Somit sind wir jedes Mal, wenn wir die Oase erreichen, erstaunt, wie sie sich verändert hat.
1983 sah die Oase noch aus, wie man sich eine Oase vorstellt, dass gesamte Gebiet war bebaut und von üppig grünen Palmen beschattet.
Es gab noch viele Schafe, Ziegen, Kühe und Esel.
1987 schon waren nur noch Reste der vormals fruchtbaren Gebiete zu erkennen. Die meisten Felder waren verödet und die meisten Palmen waren aufgrund des Wassermangels entweder eingegangen oder kurz vor dem Vertrocknen.
Die Oasenbewohner/innen haben die Tiere verkaufen oder schlachten müssen, weil sie sie nicht mehr ernähren konnten. Die Felder mit Viehfutter konnten nicht mehr bebaut werden und Geld für den Kauf von Futter war nicht vorhanden.
Viele der Oasenbewohner/innen haben die Oase verlassen um ihr Auskommen in den großen Städten wie Marrakesch, Fez, Casablanca usw. zu suchen.



Wir sind uns auch bewusst, das unser Projekt nur wenigen Einwohner/innen Tidrhestes zugute kommt und hier insbesondere der Familie des Sheiks Ahmed Aramja.

Es ist für uns nicht möglich, die gesamte Oase zu unterstützen, da wir hierfür nicht genügend Spendengelder und auch nicht genügend Projektteilnehmer/innen haben.
Aus diesem Grund suchen wir immer nach anderen Jugendzentren, Gruppen und Initiativen, die weitere Projekte mit anderen Familien, mit der Schule in Tidrheste oder auch mit anderen Oasen eingehen, um dort aktiv zu werden.
Dies ist uns bisher in einigen Fällen auch gelungen, aber es gibt noch viel zu tun – und – bei der vorherrschenden Armut und Wasserknappheit in dieser Region ist jeder Pfennig der Spendengelder dort sehr gut aufgehoben.
Bericht zu unserer Marokko-Fahrt 2002
23. März
wir fahren um 10.00 Uhr vom TEMPEL mit 14 Leuten und drei Bullis los in Richtung Süden und übernachten auf einem Rastplatz kurz vor Bordeaux.
24. März
wir fahren durch Spanien und finden wieder, wenn auch einen sehr lauten, Rastplatz zum übernachten.
25. März
am späten Nachmittag erreichen wir Algeciras, die Stadt in Südspanien, von der die Fähre nach Ceuta, der spanischen Stadt in Nordmarokko geht.
Um heute noch überzusetzen ist es schon zu spät, da wir aus Erfahrung wissen, dass die Grenze nach Marokko um 20.00 Uhr schließt und es in Ceuta keinen Campingplatz mehr gibt. Der Campingplatz, den unser Reiseführer verspricht, ist inzwischen einem Schrottplatz gewichen.
Wir machen einen Abstecher nach Gibraltar, weil wir das in den letzten Jahren nie geschafft haben. Groß die Enttäuschung, dass man nicht auf den Felsen kommt und weder Engländer noch Affen zu Gesicht bekommt.Erst viel später fällt uns auf, dass wir wahrscheinlich von der falschen Seite an den Felsen herangefahren sind - vielleicht klappt es beim nächsten Mal.Die Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz in Algeciras – endlich duschen und in Ruhe kochen. Wir lernen einen Engländer kennen, der auch auf dem Weg nach Marokko ist und die halbe Nacht zu den Klängen unserer Gitarre Lieder singt, nicht ohne den eisernen Whiskeyvorrat aus Stefans Bulli zu vernichten.
26. März
wir fahren früh los, um die Fähre und die Grenze hinter uns zu bringen.
Die Überfahrt nach Ceuta war ziemlich stürmisch und nur die härtesten konnten sich bei diesem Seegang auf den Beinen halten.
In Ceuta wird noch einmal zollfrei getankt und eingekauft, dann geht es an die Grenze nach Marokko. Die Funkgeräte aus unseren Bullis werden abgeschraubt und verschwinden im Laderaum, da man eine Sondergenehmigung vom marokkanischen Konsulat braucht, um Funkgeräte einzuführen.
Die Grenzformalitäten dauerten nur knapp eine Stunde, da Touristen mit Vorrang behandelt werden, alle Marokkaner/innen müssen über einen gesonderten Grenzübergang. Die meiste Zeit kostete der Kauf von Versicherungen für zwei Bullis, da Marokko in unseren grünen Versicherungskarten nicht vorgesehen ist.
Von Ceuta aus machen wir uns auf den Weg nach Fez, einer der Königstädte. Das Rifgebirge lassen wir so schnell wie möglich hinter uns, da dort das Hauptanbaugebiet für Haschisch in Marokko liegt und Touristen dort gerne auf der Straße angehalten und, wenn sie nichts kaufen, mit Steinen beworfen werden.
Wir erreichen Fez am späten Nachmittag und finden den Campingplatz, wo man sich an uns erinnert.
27. März
wir bleiben in Fez. Einige machen ihre ersten Erfahrungen mit aufdringlichen Verkäufern und erleben, was es heißt, sich als reicher Euro-Payer in Marokko zu bewegen.
Andere benutzen den Tag, um zu relaxen und sich auf die Strapazen der nächsten Tage vorzubereiten.


28. März
Wir fahren in Richtung Errachidia und müssen über den mittleren und hohen Atlas, besonders der grüne Bulli vom Klaus hat mit seinen 50 PS ordentlich zu schuften und erklimmt langsam aber stetig die Berge.
Die Nacht verbringen wir an der blauen Quelle von Meski. Einer heiligen Quelle an der ein Campingplatz liegt. Dies ist ein beliebter Treffpunkt für alle Wüstenfahrer, die weiter nach Merzouga oder Rissani in der Sahara wollen.
Leider ist der Platz hoffnungslos überfüllt mit Reisemobilen und Wohnwagen aus Deutschland. Vornehmlich rüstige Rentner haben sich einen Reiseführer in Deutschland engagiert, der sie mit ihren Fahrzeugen in der Kolonne durch Marokko führt.
Die Sanitären Anlagen sind, auch wegen des Andrangs auf dem Platz, eine Katastrophe.
In Marokko werden die meisten Campingplätze vom Staat gebaut und werden dann an Privatpersonen verpachtet. Leider richtet sich die Höhe der Pacht nach dem Zustand des Platzes. So findet man immer wieder Campingplätze die einst wunderschön angelegt mit neuen Duschen und Toiletten ausgestattet, heute eher Müllhalden und Kloaken gleichen.
Wir treffen eine Frau aus Süddeutschland, die früher selber Jugendgruppen geleitet hat. Sie schenkt uns alle Restlebensmittel, Kugelschreiber, Süßigkeiten und Zigaretten, die sie in den Tiefen ihres Wohnmobils findet.
Der Platz an sich ist schön gelegen, nur einige Souvenirverkäufer sind etwas aufdringlich.
Viele Kinder bieten uns aus getrockneten Palmwedeln gefertigte kleine Kamele oder Autos an, für umgerechnet 50 Cent bekommt man von den Kindern sein Auto aus Palmwedeln nachgebaut.
29. März
Am Nachmittag fahren wir los in Richtung Sahara, am Erg Chebbi (die größte Sanddüne in Marokko) vorbei wollen wir in das Örtchen Merzouga, wo wir schon alte Bekannte sind.Hinter Erfoud hört die asphaltierte Straße auf und es geht auf einer Piste weiter. Wir orientieren uns an der Telefonleitung, die neben der Piste entlangläuft.
Als die Telefonleitung endet, nehmen wir die Piste, die uns am befahrbarsten erscheint und achten darauf, den Erg Chebbi immer zu unserer Linken zu haben.
Die Strecke ist nur ca. 30 Km lang, aber wir benötigen gut 3 Stunden, bis wir Merzouga erreichen. Natürlich bleiben wir im Ort wie immer im Sand stecken.
Sofort sind 20 Dorfbewohner zur Stelle und wir versuchen, den schweren Opel Movano aus dem Sand zu schieben – keine Chance. Erst als sich einer der Marokkaner an Steuer setzt klappt es. Wieder etwas gelernt. Der Mann legt den Rückwärtsgang ein und bewegt den Wagen über den Anlasser, damit die Reifen nicht durchdrehen, während wir alle schieben. Als der Wagen wieder frei ist, springt er hinein und prescht mit Vollgas rückwärts auf Stefans Bulli los. Wir hören es schon knallen, aber kurz vorher kriegt der Mann noch die Kurve und der Wagen steht wieder auf der Piste.
Auf dem Campingplatz essen wir das erste Mal marokkanische Tagine, ein Drei-Gänge Menü und bestellen für den nächsten Morgen Kamele, um uns vom Erg Chebbi aus den Sonnenaufgang vom Rücken der Kamele anzuschauen.
30. März
Um fünf Uhr geht es los im Kamelgänsemarsch die Sanddüne hinauf. Um halb sieben sind wir wieder zurück auf dem Campingplatz. Noch einmal duschen, einpacken und wieder zurück auf die Piste.
Wir machen noch einen Halt am magazin de berber, einem Verkaufsladen, wo die Bewohner dieser Region ihre Teppiche zum Verkauf an Touristen abgeben. Dort erfahren wir viel über Herkunft, Machart und die Bedeutung der Muster der verschiedenen Teppiche. Wenn wir auch nichts kaufen, sind wir herzlich eingeladen worden, demnächst wiederzukommen und Werbung für das Geschäft zu machen.
Zurück in Erfout geht es weiter in Richtung Tinerhir. Die Straße ist teilweise versandet, weil hier vor zwei Tagen ein Sandsturm war. Wir kommen aber gut und schnell voran.
In Tinerhir biegen wir ab in die Todraschlucht, einem beeindruckenden Tal voller Oasen das sich in den Atlas zieht. Wir fahren schon seit Jahren auf den „Camping du Lac, garden of eden“, das ist der schönste Campingplatz den wir bisher in ganz Marokko gefunden haben. Durch den Campingplatz fließt ein kleines Bergflüsschen, das sich hervorragend dazu eignet, Getränke zu kühlen. Die Toiletten und Duschen sind sehr sauber und gepflegt. Hier ruhen wir uns aus, um am nächsten Tag weiter nach Tidrheste, dem Ziel unserer Reise zu fahren.


31. März
Am Nachmittag fahren wir weiter die Straße der Kashbas entlang (das sind Lehmburgen, die früher von den Atlasberbern gebaut wurden) in Richtung Quarzazate.
Es fängt an zu regnen, das hatten wir bisher im Süden Marokkos noch nie erlebt.
Am späten Nachmittag erreichen wir die Oase Tidrheste.
Wo vor 2 Jahren noch eine Piste zur Oase führte ist heute eine neue Asphaltstraße. Neben der Straße werden gerade Strommasten aufgestellt.
Beim Blick auf die Oase sind wir schockiert, wie sich das Bild in den letzten zwei Jahren verändert hat.
Nur an zwei Stellen erkennen wir bebautes, grünes Land, der Rest der Oase ist vertrocknet und die meisten Palmen sind braun und krank.
Wir fahren zum Haus der von Sheik Ahmed Aramja, wo wir schon von der ganzen Familie erwartet werden. Als erstes werden wir in die gute Stube geführt und man reicht uns den landesüblichen Tee. Stefan hat die Ehre, die Teezeremonie durchzuführen.
Ein neues Gesicht sehen wir. Driss, ein Neffe des Sheiks ist extra aus Casablanca angereist, um für uns zu übersetzen, da in der Familie sonst niemand französisch oder englisch spricht.
Er erzählt uns, dass es als ein Zeichen Allahs gedeutet wird, wir sind gekommen und haben den Regen mitgebracht, es hatte hier seit vier Jahren nicht mehr geregnet.
Nach dem Tee richten wir uns im Wohnhaus von Ismail häuslich ein. Er hat uns für die Zeit unserer Anwesenheit sein Haus überlassen, damit wir nicht in den Zelten übernachten müssen.
Zum Abendessen gibt es Tagine aus dem von uns mitgebrachten Gemüse, mit selbstgebackenen Fladenbrot und Hammelfleisch. Für die Vegetarier unter uns wurde eine extra Tagine ohne Fleisch gemacht.
Das Essen einer Tagine ist ein wenig kompliziert für Westeuropäer, es gibt weder Messer noch Gabel, erschwerend hinzu kommt, dass man die linke Hand nicht benutzen darf, weil sie als unrein gilt. Man nimmt ein kleines Stück Brot in die rechte Hand und benutzt es als Greifer, mit dem man sich das Gemüse aus der Tagine fischt. Zuerst wird das Gemüse gegessen und erst dann das Fleisch. Wenn das Fleisch zäh ist hat man ein Problem, weil man zusammenarbeiten muss. Der eine hält das Fleisch, der andere zieht am anderen Ende, um ein Stück abzuziehen. Mit einiger Übung macht dies viel Spaß und ist sehr kommunikativ. Nach dem Essen darf kräftig und laut aufgestoßen werden. Das zeigt den Gastgerber/innen, dass es geschmeckt hat und man nun genug gegessen hat.Mir ist es einmal passiert, dass der Sheik mich höchstpersönlich fütterte, eine besondere Ehre, vom Gastgeber diemaroc 07 größten Leckerbissen in den Mund geschoben zu bekommen. Irgendwann war ich so voll, dass ich glaubte gleich zu platzen und wusste nicht, was ich tun soll. Dann erinnerte ich mich in meiner Verzweiflung an Kara Ben NemsiEffendi, ließ mich zurückfallen, rief laut „Hamdullilah“ und rülpste, dass es nur so eine Freude war. Ob ich mich richtig verhalten habe, weiß ich bis heute nicht, jedenfalls hörte der Sheik auf, mich zu füttern und war zumindest nicht verärgert.
Um acht Uhr abends geht das Licht aus. Hier in der Oase dauert der Sonnenuntergang nur ca. eine Viertelstunde und dann ist es wirklich stockdunkel. Es regnet immer noch und wir brauchen Taschenlampen, um den Weg zu unserem Nachtquartier zu finden.
01. April
Frühstück gibt es im Haus des Sheiks – Fladenbrot mit brauner Butter oder warmem Olivenöl und, selbstverständlich, Tee.
Wir erkundigen uns bei den Oasenbewohnern nach dem Verbleib der zweiten Projektgruppe aus dem Jugendzentrum in Enger, die eine Oase weiter in Tamtadit ein Projekt betreuen. Die Gruppe ist aber noch nicht angekommen. Wir versuchen sie über Handy zu erreichen, bekommen aber nur die Mailbox.
Bei unserem letzten Aufenthalt in der Oase haben wir Gelder zum Bau eines Wasserreservoirs, zum mieten eines Verkaufsladens für Teppiche und zur Anschaffung von Turbinen für die Wasserpumpe hier gelassen, damit das Wasser aus einer größeren Tiefe gefördert werden kann.
Wir schauen uns die Viehställe und die Felder an. Durch die Trockenheit konnte viel weniger angebaut werden, als in den letzten Jahren. Der Dieselpreis in Marokko hat sich erhöht und um die vorhandenen Felder und Pflanzen zu bewässern, musste die Dieselpumpe vier Mal am Tag laufen.
Das Wasserreservoir ist noch nicht fertig, da das Geld knapp wurde, es fehlen noch die Mauern. Das meiste Geld ist für Diesel und die Anschaffung von Schafen für eine neue Zucht verbraucht worden. Ein Ladenlokal in der nächsten größeren Stadt, Quarzazate zu mieten, scheiterte auch an den hohen Mietkosten.
Um die Bewässerung zu gewährleisten, musste die Familie schon einige Schafe verkaufen, damit Diesel für die Pumpe gekauft werden konnte.

Der Sinn des Wasserreservoirs ist es, dass die Dieselpumpe nur noch ein Mal am Tag für ca. 20 Min laufen muss, um es zu füllen. Dann können von dort aus die Felder und Pflanzen bewässert werden. In Zukunft ist dann auch eine sparsame Tröpfchenbewässerung möglich.
Bisher wurde das Wasser von der Pumpe einfach auf angelegte Kanäle im Boden gepumpt und von Hand mit einer Schaufel Dämme geschlossen oder geöffnet, um das Wasser an die richtigen Stellen zu leiten.
Der große Vorteil des Reservoirs besteht darin, Kosten für Diesel und Öl bei der Pumpe einzusparen und das vorhandenen Wasser gezielt und effektiv zu nutzen.
Unser Projektpartner ist Ismail, der dritte Sohn von Sheik Ahmed Aramja. Mit ihm gehen wir durch die Oase und lassen uns über unseren Dolmetscher Driss die Veränderungen in den letzten Jahren erklären.
Die Straße, die zu „unserer“ Oase führt, wir weiter ausgebaut. Geplant ist, bis 2004 die Straße durch dem Atlas bis auf die andere Seite fertig zu stellen. Dies wird gewaltige Auswirkung auf die an dieser Straße wohnenden Bewohner haben.
Wenn diese Straße erst fertig ist, wird sie die Hauptverbindungsader vom Süden in den Norden Marokkos sein.
Bisher muss man über zwei Bergpässe fahren, um über den Atlas nach Marrakesch zu gelangen. Der Weg dauert mit dem Auto ca. 4 Stunden. Auf der neuen Straße kann man Marrakesch in 2 Stunden erreichen. Außerdem verlässt die neue Straße den Atlmaroc 08as im Norden sehr zentral, so das auch Fez und Meknes leicht erreichbar sein werden.
Es werden in Zukunft alle Touristen, die von Quarzazate zurück in den Norden wollen, an der Oase vorbeifahren und das sind nicht wenige.Die Familie des Sheiks hat aus diesem Grund genau an dieser Straße ein Stück Land erworben (30 x 30 Meter), um dort in Zukunft ein Geschäft zu eröffnen.
Dort können Teppiche aus eigener Produktion an Interessenten verkauft werden.
In einem ersten Schritt soll das Geschäft gebaut werden. Nach und nach ist geplant, einen Garten anzulegen, der sich in der Mitte des Hauses befindet. Drumherum befinden sich der Verkaufs- und Ausstellungsraum, ein Restaurant, Toiletten, Werkstätten in denen Teppiche hergestellt werden, eine Küche und ein Ruheraum für die Arbeiterinnen.
Die Teppiche werden im Moment noch im ehemaligen Schlafzimmer in der Kashba des Sheiks hergestellt. Wir besichtigen gemeinsam diesen Raum und sehen, wie viel Arbeit es ist, einen Teppich zu knüpfen.
Um einen Teppich von der Größe von 1,5 x 3 Metern herzustellen, arbeiten 3 Frauen ca. drei Wochen.
Die Teppiche werden inzwischen, dank unserer Spendengelder, komplett in eigener Produktion hergestellt. Von der Schafzucht über das scheren, waschen, färben und spinnen der Wolle bis hin zum fertigen Teppich, bleibt alles in einer Hand.
Die bereits fertiggestellten Teppiche werden im Empfangsraum ausgestellt und können dort von Touristen, die sich aber bisher eher zufällig in die Oase verirren, erworben werden.
Im weiteren Gespräch mit Ismail erfahren wir, dass die letzten Jahre sehr hart waren und dass viele Familien wegen der lang anhaltenden Trockenheit die Oase verlassen mussten. Aber jetzt sei mit uns der lang ersehnte Regen gekommen und auch im Hohen Atlas sei so viel Schnee gefallen, dass die Wasserversorgung für die nächsten zwei Monate gesichert sei. Es bestehe also die Hoffnung, dass einige Familien in ihre Heimat zurückkehren, um einen Neuanfang zu wagen.
Einen Nachteil habe der Regen aber mit sich gebracht. Die Straße nach Quarzazate sei im Moment nicht passierbar, da sie durch die Wassermassen weggespült wurde.
So erfuhren wir also, dass wir in der Oase festsaßen. Sonst sind wir täglich nach Quarzazate gefahren, um auf dem Campingplatz zu duschen und vor allen Dingen, um unsere eigenen Wasserkanister in der Stadt wieder aufzufüllen. Wir haben das immer gemacht, um mit unserer Gruppe nicht auch noch das wenige vorhandene Wasser der Oase zu verbrauchen.
Also hieß es für uns, mit Wasser zu haushalten und auf die Dusche zu verzichten. Da es sowieso ungewöhnlich kalt war und immer noch regnete, fiel uns das nicht sonderlich schwer. Bei früheren Projekten war es fast unerträglich heiß in der Oase und der Staub setzte sich in jede Pore am Körper, so dass man sich auch direkt nach einer Dusche schon wieder staubig und matt fühlte.
Zum Mittagessen gibt es wieder Tagine. Das sind wir nicht gewohnt. Auf unseren Fahrten essen wir in der Regel morgens und abends einmal. Zwischendurch versorgen wir uns mit Broten. Früher hatten wir es in der Oase auch so gehalten, dass wir nur morgens und abends aßen, aber man nötigte uns, dies zu ändern, denn wir bräuchten schließlich unsere Kraft für den Rest unserer Reise.
Am Nachmittag haben wir mit Ismail und Driss zusammen gesessen und beraten, wie unser Projekt weitergehen soll.


Das von unseren Projektmitteln angeschaffte Fahrzeug (ein alter Renault Rapid) würde noch gut funktionieren, wenn er auch sehr schlecht anspringt und der Motor bald einmal überholt werden muss.
Vorrangige Aufgabe sei es, das Wasserreservoir fertig zu stellen. Die alte Pumpe würde inzwischen sehr viel Diesel und Öl brauchen und die Kosten für die Bewässerung stark in die Höhe treiben.
Das Fundament des Wasserbassins war bereits fertig gestellt und wir verbringen einige Zeit damit, das Material und die damit verbundenen Kosten zu ermitteln, die der Bau der Ummauerung kosten wird.
Das Bassin hat eine Grundfläche von 8 x 8 Metern und soll eine 1,5 Meter hohe Einfassung bekommen.
Benötigt werden hierzu:
- 5 Tonnen Zement (1 Zentner kostet 50 DH = 5000 DH)
- Eisenstangen in der Stärke 10 mm und 8 mm, um der Mauer Stabilität zu geben. (40 Stangen a 35 DH = 1400 DH)
- 80 Meter Rohr als Verbindung von der Wasserpumpe zum Bassin (4 m Rohr kosten 30 DH = 600 DH)
- 4 Arbeiter verdienen je 50 DH/Tag, 1 Bauleiter verdient 70 DH/Tag (bei einer veranschlagten Bauzeit von 8 Tagen sind das insgesamt 2160 DH)
- 1 LKW-Transport von Quarzazate nach Tidrheste kostet 100 DH, um die Materialien (Sand, Zement, Eisen, Rohre usw. in die Oase zu bringen, sind 16 Fahrten in die Oase notwendig = 1600 DH)
Die Kosten für die Fertigstellung des Bassins belaufen sich auf insgesamt 10960 DH.
Um die Teppiche aus „unserer“ Teppichweberei an den Mann zu bringen, soll auf dem neu gekauften Gelände ein Magazin, wie bereits oben beschrieben mit Restaurant, Produktionsstätte usw. gebaut werden. Alles in allem würde die Verwirklichung dieses Projektes insgesamt 100.000 DH kosten.
Unsere Geldmittel sind beschränkt, wir sammeln über 2 Jahre Spenden, halten Vorträge über unser Projekt und danken unserem Gemeindeverband für die bisher jährliche Ausschüttung von Geldern für unsere Entwicklungshilfeprojekte.
In diesem Jahr hatten wir immerhin 5.000,00 € dabei, das sind umgerechnet 50.000 DH.Wie immer hat unsere Projektgruppe eine halbe Nacht und den nächsten Morgen diskutiert, wie das Geld am besten einzusetzen ist.
Priorität hat immer die Wasserversorgung, also sind schon einmal 1.100,00 € für die Fertigstellung des Wasserbassins verplant.
Mit den restlichen 3.900,00 € ist es schon schwieriger.
Wir haben noch ein Schreiben eines Lehrers der Schule unterschrieben mit „Hassan, der Sekretär“ aus Tidrheste dabei, der uns von einem Projekt berichtet, für 25 Familien in der Oase Toiletten und Duschen zu bauen. Der Bau einer Toilette und Dusche soll 1.100 DH kosten, die Familien erbringen aber eine Eigenleistung und so belaufen sich die Kosten für das Material noch auf 750 DH.
Dieses Projekt erscheint uns auch als sehr unterstützenswert.
Da wir aber mit dem Verfasser dieses Briefes noch nicht gesprochen haben, beschließen wir, für diese Projektidee 1.000,00 € zurückzuhalten.
Für den Bau des Magazins entschließen wir uns, eine Anschubfinanzierung von 2.900 DH zur Verfügung zu stellen.
02. April
Über den Weltempfänger von Guido hören wir von der Unwetterkatastrophe die Teneriffa überschwemmt hat, das erklärt uns auch den Regen in der Oase. Wir frühstücken wieder im Haus des Sheiks und suchen uns schon einmal die Teppiche aus, die wir privat kaufen und mit nach Hause nehmen wollen.
Die Straße nach Quarzazate ist wieder notdürftig geflickt worden und wir fahren mit einigen Leuten los, vor allen Dingen, um eine Werkstatt zu finden, die eine defekte Dieselleitung an Stefans Bulli reparieren kann und um die 5.000,00 € in Dirham umzutauschen, um einen Teil nach dem Abendessen an Ismail zu überreichen.
Wir finden mit Hilfe von Ismail und Driss eine Werkstatt, die den Wagen von Stefan für umgerechnet 5,00 € repariert. Die Dieselleitung wird ausgebaut, dann fährt ein Knabe mit dem Fahrrad los, um sie irgendwo hart löten zu lassen, nach ca. 2 Stunden ist das Auto repariert und wir können weiter – auf zum Campingplatz und der Dusche.
In Quarzazate gibt es einen Campingplatz, wir haben ihn den Platz mit den Brüllduschen getauft. Am Eingang prangt ein unübersehbares Schild mit der Aufschrift „Douche chaude“, aber, dieses Schild ist der blanke Hohn. Ich habe schon bei 35° Grad im Schatten unter dieser Dusche gestanden und heraus kam – Eiswasser. Man kann sich nicht vorstellen, wie kalt diese Duschen sind und man kann sie nur ertragen, wenn man sich laut Luft verschafft. In diesem Jahr waren ziemlich viele Camper auf dem Campingplatz und einige wollten uns schon zur Hilfe eilen, bei dem Gebrüll, das wir unter der Dusche veranstalteten. Einer unserer Leute konnte sie gerade noch zurückhalten, als sie mit Knüppeln bewaffnet die Dusche stürmen wollten.


Das Umtauschen des Geldes ist überhaupt kein Problem, der Kassierer nimmt die 5.000,00 € und füllt einen Schein für die Kasse aus, wo wir den Gegenwert von 50.000 DH ausgezahlt bekommen. Wenn man bedenkt, das ein durchschnittlicher Monatslohn ca. bei 75,00 € liegt, na, ich weiß auch nicht, bei der Sparkasse Duisburg brauchte ich zum Einlösen eines Schecks sehr viel mehr Zeit.
Wir kaufen noch einige Lebensmittel und Trinkwasser und fahren zurück in die Oase.
Dort angekommen erfahren wir von den anderen Projektteilnehmer/innen, dass sie inzwischen unsere Gastgeschenke (Kleidung, Parfum, Kugelschreiber usw.) verteilt haben. Nach einer kurzen Pause (Tee und Tagine) machen wir uns auf den Weg um Hassan, den Sekretär, zu treffen.
Wir wissen das er Lehrer an der Schule in Tidrheste ist und hoffen, ihn dort anzutreffen.Die Schule liegt am gegenüberliegenden Teil der Oase und wir müssen außerhalb des Schulgeländes warten, bis uns der Zutritt gestattet wird. Wir haben eine Menge Kugelschreiber, Schreibblöcke und Buntstifte als Geschenke dabei. Ein Lehrer begrüßt uns in sehr reinem Englisch und führt uns von Schulklasse zu Schulklasse. Die Kinder erheben sich von ihren Sitzen, als wir den Klassenraum betreten. Uns ist die Situation ein wenig peinlich und wir möchten den Unterricht nicht stören. Wir übergeben dem Lehrer die mitgebrachten Geschenke und versichern ihm, dass wir ihm vertrauen, die Sachen an die Kinder, die sie benötigen, weiterzugeben.Als letzte Station werden wir in eine Klasse geführt, wo für ältere Frauen ein Alphabetisierungskurs angeboten wird, der Klassenraum ist dunkel und stickig und wir verabschieden uns schnell.
Ein Lehrer teilt uns mit, dass das tägliche Mittagessen für die Schulkinder aus Spendenmitteln der UNICEF finanziert wird.
Wir fragen noch einmal nach dem Lehrer namens Hassan, erst ist im Moment nicht in der Schule, aber ein Junge macht sich sofort auf den Weg, ihn zu holen.
Nach ca. 10 Minuten lernen wir Hassan kennen und befragen ihn bezüglich des Projektes, welches er uns beschrieben hat (der Brief war über ein Jahr alt) und ob sich in der Zwischenzeit etwas an der Situation der Familien geändert hat. Der Mann erklärt uns, dass sich zwar einiges getan hat, aber das Projekt noch immer aktuell sei.
Wir verabreden mit Hassan ein Treffen für den nächsten morgen, da wir mit der gesamten Projektgruppe beraten müssten, ob wir Geld für sein Projekt zur Verfügung stellen.
Zurück in Ismails Haus beraten wir uns und beschließen, die restlichen 1.000,00 € für den Bau der Toiletten und Duschen an Hassan zu überreichen, da wir dies für eine gute Sache halten.
Das Abendessen findet wieder in der Kashba des Sheiks statt. Anschließend lassen wir uns unseren Marokko-Projekt-Vertrag 2002 von Ismail unterschreiben und überreichen ihm insgesamt 40.000 DH für den Bau des Wasserbassins und als Anschubfinanzierung für das neu zu erbauende Geschäft.
Dann kaufen wir noch einige der Teppiche, Tücher, Schuhe, Lampen und bekommen Gegengeschenke von unserer Gastfamilie.
Um unsere Anwesenheit zu Ehren wird so viel Weihrauch im Ofen verbrannt, dass es uns fast den Atem nimmt.
Abends sitzen wir dann noch mit Driss und Ismail in seinem Haus und sprechen über das Projekt und das wir die Absicht haben, Hassan eine Summe Geldes für den Bau der Sanitäranlagen in einem anderen Teil der Oase zu überreichen.
Bald wurde offensichtlich, dass Ismail Probleme mit unserem Plan hat. Auf unsere Nachfrage erklärt er uns die Situation in der Oase:
Exkurs
Quarzazate ist die Filmhauptstadt Marokkos und in der Oase Tidrheste werden im Jahr ca. 2 Monumentalfilme gedreht. Wir haben dies einmal bei einem unserer Besuche erlebt. Ein italienisches Filmteam drehte dort gerade den Film „Josef“ mit Ben Kinsley in der Hauptrolle. Für die kleine Oase heißt das, dass täglich ca. 20 LKWs dort ankommen und alles in Aufregung versetzen, die Oasenbewohner können sich einige Dirham als Statisten verdienen, aber die Folgen sind verheerend. Wir mussten damals mehrere Oasenbewohner ins Krankenhaus fahren, da sie von Skorpionen gebissen wurden. Durch den Aufruhr in der Oase wurde die gesamte Tierwelt in dem sonst ruhigen Gebiet in Panik versetzt. Wir haben erlebt, dass wild gewordene Skorpione wie aufgescheucht durch unser Lager rannten. Die Filmteams hinterlassen eine große Menge an Müll, den sie einfach fallen lassen, leere Plastikflaschen, Joghurtbecher usw. werden einfach auf den Boden geworfen. Wir haben damals den gesamten Müll in Müllsäcke verpackt und ihn in der Lobby von Ben Kinsleys Hotel mit schönen Grüßen aus der Oase Tidrheste abgestellt.
Ismail erklärt uns, dass der Teil der Oase, in dem das Projekt von Hassan angesiedelt ist, sowieso schon zu den „reichen“ Gebieten gehört. Dort engagieren sich die UNICEF, die UNESCO, es gibt offensichtlich einen reichen Geldgeber aus der Schweiz und in Planung ist dort ein großes Hotel für die Filmteams zu bauen. Ihm ist es offensichtlich unangenehm, unsere Pläne zu durchkreuzen und wir versichern ihm noch einmal, das wir für jede Information dankbar sind, die uns hilft, die Situation in der Oase und deren Bewohner/innen zu verstehen.


Aufgrund dieser Informationen ist unsere Absicht, die restlichen 1.000,00 € an Hassan zu übergeben, geplatzt. Wir brauchen einen neuen Plan und holten auf der Stelle alle Leute zusammen, um die neue Situation zu beraten.
Wir sind uns schnell einig, das Geld nicht an Hassan zu übergeben. Der neue Gedanke ist, mit unserem Geld die Schule in Tidrheste zu unterstützen. Nur, dort fehlt uns ein kompetenter Ansprechpartner. Die Lehrer sind zwar alle sehr nett, aber auch alle nur zeitweise (für 2 Jahre) an der Schule angestellt, so etwas wie einen Schulleiter oder Ähnliches gibt es offensichtlich nicht.
Die Schule in Tidrheste ist vergleichbar mit unserer Grund- bzw. Hauptschule. Die Kinder aus der Region (ca. 200 Kinder im Alter von 6 – 14 Jahren) besuchen diese Schule.
Eine weiterführende Schule zu besuchen ist teuer, Schulgeld und Busticket, sowie Arbeitsmaterialien kosten pro Kind ca. 30,00 € im Monat.
Wir entschließen uns, die 1.000,00 € an Sheik Ahmed Aramja zu übergeben, der das Geld nach bestem Wissen und Gewissen an die Schule, oder auch an einzelne Schülern/innen weitergeben kann.
Der Sheik ist ein von der gesamten Region (hier: Ait Ougrour) auf Lebenszeit gewähltes Oberhaupt. Zu seinen Aufgaben zählt unter anderem, Richter bei Streitigkeiten zu sein, d.h. die Leute aus der Region kommen mit ihren Streitigkeiten an einem Tag in der Woche zum Sheik, der dann ein Urteil spricht, an den sich die Parteien zu halten haben. Die gesprochenen Urteile schreibt der Sheik nieder und reicht sie bei der nächsten Polizeistation im Ort Ghessette ein.
Wenn der Sheik stirbt, wird sein Nachfolger aus allen Bewohnern des Ait Ougrour neu gewählt. Der Sheik besitzt hohes Ansehen in der Region und besonders Sheik Aramja wird aufgrund seines Alters und seiner Weisheit hoch geschätzt und verehrt.Sheik Aramja hat mir seinen Pass gezeigt, in dem sein geschätztes Geburtsjahr 1927 ist.
03. AprilNach einer kurzen Nacht frühstücken wir im Haus des Sheiks und fragen noch einmal nach, ob unsere Absicht, dem Sheik Geld für die Schule zu übergeben eine gute Idee ist. Uns wird mehrfach versichert, dass der Sheik sicherlich sorgsam und weise mit den Projektmitteln umgehen wird.
Um 10.00 Uhr treffen wir Hassan an der Schule in Tidrheste und teilen ihm mit, dass sich die Projektgruppe für ein anderes Projekt entschieden hat und in diesem Jahr kein Geld für den Bau von Sanitäranlagen zur Verfügung stellen wird.
Hassan reagiert etwas verärgert und berichtet über drei weitere Projekte, die er uns anbietet. Es geht dabei um den Bau von Brunnen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für alleinerziehende Frauen und die Kultivierung von Brachland. Wir erklären, dass unsere Projektmittel leider sehr beschränkt sind und, wenn er uns schriftlich Projektvorschläge nach Deutschland schickt, wir Gruppen suchen werden, die sich dieser Projekte annehmen.
Dann tauschen wir noch die Adressen aus und machen uns auf den Rückweg in die Oase.
Es heißt Abschied nehmen. Es gibt noch einmal eine Tagine und wir übergeben Sheik Aramja die 1.000,00 € für die Schule
Wir bedanken uns für die empfangene Gastfreundschaft, die liebevolle Betreuung und haben viele Hände zu schütteln, ehe wir weiterfahren können.
Unser heutiges Ziel ist Marrakesch.
Wir fahren nicht nur nach Marokko um dort ein Projekt zu machen, sondern auch und vor allem das Land zu sehen und Urlaub zu machen. Die Fahrt nach Marrakesch führt über den Tizn Tichka und den Tizn Taddert zwei Pässe über den Atlas die Temperatur fällt im Gebirge um ca. 20° Grad.
Oben im Städtchen Taddert machen wir eine Pause.
Taddert ist ein Bergdörfchen im hohen Atlas und besteht fast nur aus Restaurants, Cafes und kleinen Geschäften die versuchen, Geschäfte mit Touristen zu machen. Die Gegend ist karg und kalt, die Menschen sind sehr arm. 1983 haben wir von den Bewohnern Hammelhörner geschenkt bekommen und wir wurden sehr verwundert angeschaut, das wir Interesse an diesen Hörnern hatten. Heute kann man in jedem zweiten Geschäft an der Straße solche Hörner für harte Dirhams erstehen.
Wir erreichen Marrakesch am Abend und überfallen als erstes den großen Supermarkt an der Ausfahrtstraße Richtung Casablanca. Der Campingplatz in Marrakesch liegt ca. 20 Km außerhalb der Stadt. Wieder werden wir vom Pächter des Campingplatzes als alte Bekannte begrüßt. Auch der Besitzer des Spirituosengeschäftes auf dem Campingplatz erkennt uns wieder und wittert ein gutes Geschäft. Es regnet mal wieder und ist ziemlich kalt und wir gehen bald ins Bett. Am nächsten Tag steht der Besuch von Marrakesch auf dem Programm.
04. April
Die Sonne scheint wieder. Marrakesch ist ein Muss für alle Marokkofahrer: die engen Souks, das Treiben in den Strassen, die Gerüche und Eindrücke, der Dshemma el Fnah mit seinen Hunderten von Orangenständen, dann am Abend, wenn die Restaurants ihre Grillöfen anwerfen und der Geruch und der Qualm von Gebratenem wie eine Glocke über dem Platz hängt. Die Trommeln, die Farben, die Geschichtenerzähler, Schreiber und Schlangenbeschwörer, die Wasserträger in ihren grellbunten Gewändern, die sich für einige Dirham fotografieren lassen - Marrakesch ist immer wieder ein Erlebnis.
Wir teilen uns auf, um unsere Fahrzeuge nicht unbewacht zu lassen und fahren in Gruppen mit dem Taxi nach Marrakesch und stürzen uns in das bunte Treiben. Der Tag geht schnell vorbei und endet erst spät in der Nacht.


05. April
Geplant ist laut Reiseroute ein Besuch der Cascade d` Ouzoud, den größten Wasserfällen Marokkos, da wir aber wissen, das die Wasserfälle und vor allen Dingen der dortige Campingplatz im Überschwemmungsgebiet liegen, ersparen wir uns schweren Herzens den Umweg von ca. 300 Km.
Auch weil Klaus Bulli, Modell 1983 morgens nur noch nach gutem Zureden anspringt und auch manchmal seltsame Geräusche von sich gibt, entscheiden wir uns, heute an die Atlantikküste nach Ashila zu fahren. Das ist eine Strecke von ca. 300 Km und das bedeutet in Marokko eine Tagesfahrt, auch wenn der größte Teil der Strecke gut ausgebaute Autobahn ist.
Am Abend erreichen wir Ashila, ein ehemals spanisches Städtchen an der Atlantikküste, fahren kurz in den Ort um Brot zu kaufen und dann direkt auf den Campingplatz, um zu kochen und dann zu schlafen.Es regnet wieder und ist zu kalt für einen Abend in Marokko.
06. AprilDen Vormittag verbringen wir noch in Ashila, schauen uns die Stadt, die Altstadt an und bringen unsere letzten Dirhams unter die Leute. Dann fahren wir weiter in Richtung Tanger und weiter an der Küste entlang nach Ceuta. Die Grenze aus Marokko hinaus kostet uns dann doch drei Stunden, da großer Andrang herrscht. Bei der Ausreise ist man zu Touristen nicht ganz so zuvorkommend, wie bei der Einreise.
Nach der Grenze tanken wir noch einmal zollfrei die Fahrzeuge voll und fahren zum Hafen, um die nächste Fähre nach Algeciras zu bekommen.
Und es regnet immer noch. Lenni verliert eine Kiste Bier, da er wettet, das die Rückfahrt noch stürmischer sein wird, als die Hinfahrt.
Wieder in Europa, müssen wir unsere Uhren um 2 Stunden vorstellen - 1 Stunde sowieso plus die Sommerzeit. Wir fahren wieder zum Campingplatz in Algeciras. Beim Abendessen entscheiden wir uns, die Route zu ändern und an der Mittelmeerküste entlang zurückzufahren, weil wir hoffen, dort besseres Wetter finden.
07. April
Rückfahrt immer an der Küste entlang durch Spanien, wir wollen den ganzen Tag fahren, um am nächsten nach Frankreich zu kommen, wo wir es uns in Avignon noch einmal so richtig gut gehen lassen wollen.
Aber meistens kommt es anders…
In der Nähe von Alicante fängt Stefans Bulli an zu qualmen. Zuerst vermuten wir, das nur sein Auspuff ein Loch hat, stellen aber bald fest, dass der Motor das ganze Öl herausdrückt. Pause, ADAC anrufen und einen Pannendienst kommen lassen.
Der Mann vom Pannendienst kann auch nicht helfen und heute ist Sonntag. Zudem kommt, das am Montag gerade im Gebiet von Alicante eine Siesta ist und auch keine Werkstatt geöffnet hat. Nach Verhandlung mit dem ADAC in München lassen wir Stefans Auto mit dem Tieflader auf einem Campingplatz abladen, wo er uns am Dienstag wieder abholen soll, um den Bulli in eine VW-Werkstatt zu bringen.
Camping Rincon de Luna, ein Traum – für alle Rentner. Wir hatten noch nicht einmal unser Lager aufgebaut, da kam schon eine Frau – Gerlinde – um uns zu warnen: „Seid bloß nicht zu laut, denn dann kommt sofort die Polizei und schmeißt euch vom Platz, die kennen hier kein pardon.“ Da kommst Du gerade aus Marokko und dann solch ein Platz, an dem die Toiletten sofort nach der Benutzung gereinigt werden und der Alterdurchschnitt ca. bei 70 Jahren liegt.
Die Duschen und Toiletten genießen wir wirklich, den Rest kann man nur ertragen.
08. April
Camping Rincon de Luna, wir sitzen fest und können nicht weiter. Zum Mittelmeer ist es ein Fußmarsch von ca. 6 Km, aber wir haben ja sonst nichts weiter zu tun. Es gibt aber eine Menge Waschmaschinen auf dem Campingplatz und wir waschen schon einmal unsere Wäsche. Aber die Sonne scheint und es ist sehr warm, das tröstet etwas.
09. April
Pünktlich um 8.30 Uhr kommt der Tieflader, um Stefans Bulli abzuholen. Klaus fährt mit seinem Bulli direkt hinterher, ein Radlager macht Geräusche und außerdem braucht er dringend einen Ölwechsel.
In der VW-Werkstatt wird der Fehler schnell gefunden, eine Ölleitung zum Motor ist gebrochen. Leider ist das Ersatzteil nicht vorrätig, auch das Radlager muss erst in Madrid bestellt werden. Also noch ein Tag länger Camping Rincon de Luna.
Stefan und Claudia, die normalerweise in Stefans Bulli schlafen, bekommen unser Ersatzzelt, der Bulli bleibt in der Werkstatt.
10. April
Um 9.00 Uhr stehen wir vor der Werkstatt. Die Ersatzteile sind da. Die Reparatur von Stefans Bulli dauert nur eine halbe Stunde, der Einbau des Radlagers dauert länger. Um 13.00 Uhr können wir endlich weiterfahren. Wir fahren so lange, bis wir Frankreich erreicht haben und nehmen den ersten akzeptablen Rastplatz hinter der Grenze. Den ganzen Tag lang hat es in Spanien geregnet. Hier in Frankreich hört es endlich auf zu regnen. Es ist spät und wir verzichten aufs Abendessen.
In dieser Nacht werden wir richtig nass. Zu den Sturzbächen vom Himmel kommt ein Sturm der das Wasser unter den Überzelten hindurch direkt in den Schlafsack bläst. Am nächsten Morgen ist alles Nass.
11. April
Wir stehen früh auf und machen einen Blitzstart ohne Frühstück. Die nassen Zelte werden in Müllsäcke gesteckt und wir fahren weiter. Bei der nächsten Raststätte machen wir eine Pause, um zu frühstücken. Ein Kaffee, ein Stück Baguette und ein Stückchen Käse für nur 7,00 €, wir entschließen uns, die nächste Autobahnausfahrt zu nehmen, um erst einmal einen Intermarché aufzusuchen.
Wir fahren weiter Richtung Norden. Kurz vor Lyon scheint dann endlich wieder die Sonne. Wir machen einen Pause, um die Zelte auszupacken und sie zusammen mit den Schlafsäcken zu trocknen. Dann fahren wir weiter und machen ca. 150 Km vor Metz auf einem Rastplatz halt.
12. April
Es geht zurück nach Duisburg, in Luxemburg noch einmal billig tanken und Kaffee einkaufen und dann durch die Eifel zurück. Um 17.00 Uhr sind wir zurück am Tempel.
Duisburg, den 22. April 2002
Klaus Schumacher

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